Wohlbehalten wieder in Crailsheim angekommen sind dieser Tage 23 Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums mit ihren zwei begleitenden Lehrern Ulf Bornmann und Jan Maier. Zehn Tage „Bilgo“ liegen hinter ihnen. Was haben sie dort gemacht? Freundschaften gepflegt und geschlossen. Gemeinsame Erfahrungen gemacht und ausgetauscht. Denn das ist vor allem mit Blick auf die erstarkenden nationalen Töne in beiden Ländern nötiger denn je: „Wir wollen miteinander und nicht etwa übereinander reden”, sagte der zuständige Lehrer Jan Maier. „Wir wollen die Verteidigung des Friedens nicht alleine den Politikern überlassen“, ist die Ansicht des polnischen Koordinatoren Grzegorz Bryla.

Seit nunmehr 21 Jahren besteht der lebendige Austausch zwischen dem ASG und dem UNO-Lyzeum Bilgoraj. Alle zwei Jahre im Herbst fahren die ASG-ler nach Polen. Im Folgejahr wird der Besuch erwidert. Durch das tägliche Miteinander mit den Schülern und in den Gastfamilien entstehen nicht selten tiefe Freundschaften, Respekt und Verständnis füreinander. Der Austausch ist ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung auf persönlicher Ebene. „Eine Konstellation, in der man im Einvernehmen leben und unbefangen sprechen kann“, schreibt Bryla.

Die Crailsheimer, zum neunten Mal im Bus chauffiert von Andy Kröper, erlebten mit ihren polnischen Freunden zehn Tage lang ein vielfältiges Programm mit Projektarbeiten, Ausflügen und so manchen anderen Höhepunkten. Bürgermeister Janusz Roslan etwa nahm kein Blatt vor den Mund, als er die deutschen Schüler in einwandfreiem Deutsch begrüßte. Zwar habe auch seine Familie unter dem Krieg (und damit unter den Deutschen) gelitten. Er brauche aber keine Reparationen. Was geschehen sei, sei geschehen. Er freue sich über seine vielen deutschen Freunde, und über diesen Austausch, der zum Aushängeschild der Partnerschaft geworden sei und diese seit über 20 Jahren stärke.

In die Zeit des Besuchs fielen auch die Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag des gastgebenden UNO-Lyzeums, zu dem eine weitere Delegation aus Crailsheim gereist war: Lehrer und Manfred Salinger als Vorsitzender des Fördervereins. In seinem Grußwort äußerte der stellvertretende Direktor des ASG Max Kopplin den Wunsch, dass die Crailsheimer und Bilgorajer nie den Schwung dieser Freundschaft verlieren mögen, damit man im Kleinen Frieden stiften könne für das Große.

Polnische und deutsche Schüler verfassten über den Austausch und das Programm einen Zeitungsartikel für ihre Austausch-Website, sie wurden vom städtischen Kabelsender BTK interviewt und zum Abschlussabend bereiteten sie gemeinsam deutsche und polnische Speisen zu.

So vergingen zehn Tage wie im Flug. Tränen flossen beim Abschied, doch die  Termine für den Austausch 2018 stehen schon fest: Die neuen Freunde sehen sich in einem Jahr, am 6. Oktober, in Crailsheim wieder. Denn nach dem Austausch ist bekanntlich vor dem Austausch.

Und überhaupt ist der ASG-­Austausch nicht der einzige, den es zwischen den Städten gibt: Eben kommen auch zehn Schüler der Realschule am Karlsberg nach Crailsheim zurück, die ihrer ­Partnerschule, dem Gymnasium Nr. 1, einen Besuch abgestattet ­haben.

Das politische Klima zwischen Deutschland und Polen gilt derzeit als unterkühlt. Stein des Anstoßes sind unter anderem die Flüchtlingsfrage in Europa, das laufende Rechtsstaatsverfahren der EU-Kommission gegen Polen und die Forderung der rechtsnationalen Regierungspartei PiS nach Reparationszahlungen in Höhe von rund 840 Milliarden Euro. „An der radikalen nationalkonservativen Politik des Staates zerbrechen in Polen und in Deutschland abrupt Freundschaften. Aber zum Glück nicht die Freundschaften zwischen dem südostpolnischen Bilgoraj und seiner deutschen Schwesterstadt Crailsheim“, schreibt Grzegorz Bryla. „Dass Bilgoraj ein weltoffener pluralistischer und weniger nationalkatholischer Landstrich Polens ist, haben die Freunde aus Crailsheim bei uns gesehen.“

Powyższy artykuł autorstwa Grzegorza Bryły, nauczycielela I LO im. ONZ w Biłgoraju i koordynatora wymiany (od 2004r.), ukazał się 27.10.2017r. w dzienniku „Hohenloher Tagblatt”. Jest to efekt nawiązanej przed laty współpracy z niemiecką gazetą. Autor dziękuje pani Ute Schaefer za korektę i publikację artykułu.